Rechtsanwalt Thorsten Sommer (Köln Inkasso) macht unberechtigte Forderung im Namen von Jens Richter (Binendo24 Gewinnspielservice GmbH) geltend

von Florian Daniel • 13.08.2013
Abmahnung | kurz gemeldet | Schadensersatz | SCHUFA | Warnung | Wirtschaft

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt?!

Am Samstag, den 10.08.2013 erhielt ein Mandant von RA Florian Daniel per E-Mail eine Zahlungsaufforderung über 480,40 EUR, die Herr Rechtsanwalt Thorsten Sommer im Namen der Binendo24 Gewinnspielservice GmbH (Herr Jens Richter) geltend macht.

In dem Schreiben behauptet RA Thorsten Sommer, es sei ein mündlicher Vertrag geschossen worden. Hierbei seien – nachweislich – falsche Angaben gemacht worden, woran kein Zweifel bestehe. Das Telefonat (gemeint ist wohl der Mittschnitt eines angeblich geführten Telefonats) liege dem Amtsgericht bereits als Beweismittel vor.

Unter Verweis auf eine Vertragspartnerschaft mit der SCHUFA Holding AG wird die Zahlung in Höhe von 480,40 EUR binnen 14 Tagen verlangt.

Wörtlich heißt es (Fähler im Tekst wurden übernommen; wer einen findet, darf ihn behalten; Hervorhebungen wurden ebenfalls übernommen):

„Telefon: 0800/000067419

Fax: 01805001594199

Aktenzeichen: ______

Sehr geehrter Herr S. B. (alias D.),

in der vorbezeichneten Angelegenheit wurden wir beauftragt, die rechtlichen Interessen von Herrn Jens Richter, handelnd unter dem Firmennamen Binendo24 Gewinnspielserivce GmbH, Weidkamp 180, 45356 Essen wahrzunehmen. Ordnungsgemäße Bevollmächtigung wird anwaltlich versichert.

Ausweislich der Mahnung (Nr. 7831) vom 01.07.2013 sind Sie verpflichtet, einen Betrag in höhe von 480.40 EUR an unseren Mandanten zu zuzahlen. Dem sind Sie bis heute nicht nachgekommen.


An der Tatsache, dass Sie mündlich einen Vertrag mit Angabe falscher Daten abgeschlossen haben, besteht kein Zweifel! Dieses Telefonat liegt dem Amtsgericht bereits als Beweismittel vor.

Sind Sie sich wirklich über die Ernsthaftigkeit der Lage bewusst? Wir sind Vertragspartner der Schufa Holding AG.

Wir fordern Sie Namens und Kraft Vollmacht unserer Mandantschaft auf den

Gesamtbetrag in Höhe von 480.40 EUR

auf das Konto unserer Mandantschaft bei der Spk Essen mit der BLZ 46549213 und der Kontonummer 3985441523 zu überweisen. Für den Eingang der Zahlung setzten wir Ihnen letztmalig eine Frist bis zum

24.08.2013

Sofern Sie die Frist fruchtlos verstreichen lassen, müssen Sie damit rechnen, dass ohne weitere Aufforderung gerichtliche Schritte (inkl. IP-Übergabe) eingeleitet werden. Dadurch würden Ihnen weitere, erhebliche Kosten entstehen. Das Einhalten der Frist liegt daher auch in Ihrem Interesse.

Es wird dringend um einen Rückruf gebeten!

Mit freundlichen Grüßen

gez. Thorsten Sommer

Rechtsanwalt“

Diese E-Mail wurde an RA Daniel mit der Frage weitergeleitet, ob es sich um eine SPAM-Mail handeln würde. Ein Vertrag – unter Angabe falsche Daten und wohl am Telefon – sei jedenfalls nicht abgeschlossen worden.

Die Recherche verlief unergiebig.

Kein Eintrag in einem der SPAM-Foren. Kein einziger google-Treffer.

Das Handelsregister kennt eine „Binendo24 Gewinnspielservice GmbH“ nicht.

Um welchen Rechtsanwalt es sich dabei handeln soll, ist ebenso wenig herauszufinden.

Rechtsanwalt Daniel wählte die Nummer der angegebenen Hotline (0800/000067419) und… siehe da: es meldete sich sogar jemand!

Der Hotline-Mitarbeiter konnte, da Herr Rechtsanwalt Thorsten Sommer nicht am Platz sei, nicht durchstellen. Also hinterließ RA Daniel eine Bitte um Rückruf.

Nachdem bis zum späten Nachmittag keine Reaktion erfolgte und sich der Mandant partout an keine Gewinnspielteilnahme erinnern konnte, er grundsätzlich keine Verträge am Telefon abschließt, wählte Rechtsanwalt Daniel erneut die Nummer der Hotline und… siehe da: es hob wieder jemand ab.

Auch diesmal konnte nicht zu Herrn Rechtsanwalt Thorsten Sommer durchgestellt werden. Dieser sei nicht mehr im Hause… Aha!

Rechtsanwalt Daniel ließ seinem Kollegen also über den Hotline-Mitarbeiter ausrichten, dass für den Fall, dass die Forderung nicht bis zum nächsten Tag zurückgenommen werde oder sonst eine geeignete Reaktion erfolge, umgehend eine negative Feststellungsklage erhoben wird. Dabei werde dann gerichtlich geklärt werden, ob die angebliche Forderung bestehe.

Unglaublich aber wahr. Noch am gleichen Abend erhielt der Mandant eine weitere E-Mail. Wiederum gezeichnet von einem Rechtsanwalt Thorsten Sommer (Rechtsanwalt Köln Inkasso). Hierin entschuldigte sich der Kollege und gibt zu, dass die Forderung nicht berechtigt sei.

BITTE?! WAS?!

Wörtlich heißt es:

„Sehr geehrter Herr S. B. (alias D.),

wir müssen uns bei Ihnen entschuldigen.

Wir haben die Forderung geprüft, und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass diese nicht berechtigt ist.

Daher bitten wir um Entschuldigung.

Wir sind ein Masseninkassounternehmen, daher können wir Forderungen nur durch Stichproben prüfen.

Natürlich entschuldigt sich die Binendo24 Gewinnspielserivce GmbH auch bei Ihnen.

Wir können uns leider nicht mit Ihrem Rechtsvertreter in Verbindung setzten, da wir momentan anderweitig beschäftigt sind.

Mit freundlichen Grüßen,

gez. Thorsten Sommer

Rechtsanwalt Köln Inkasso“

AH-JA! Dann wäre das ja geklärt…

Ein Schelm, wer böses dabei denkt?!

Natürlich könnte man jetzt davon ausgehen, dass hier offensichtlich massenhaft ungeprüfte und unberechtigte Forderungen geltend gemacht werden. Es handelt sich wohl um eine „Verbrecherbande“?

Allein die „Schreibe“, mit Fählern im Tekst und die Nicht-Existenz der Binendo24 Gewinnspielservice GmbH lädt nicht nur zum Schmunzeln ein.

Denn es darf davon ausgegangen werden, dass ein nicht unerheblicher Teil der Adressaten den – ungeprüften und wohl in den meisten Fällen (wenn nicht sogar in allen Fällen!) – nicht existenten Anspruch erfüllt und … zahlt.

Wir möchten Sie vor derartigen Geschäftspraktiken warnen!

Es wird hier noch geprüft werden, ob es sich nicht ggf. sogar um eine vorsätzliche sittenwidrige Schädigungen handelt, § 826 BGB. Dann wären sämtliche mit der Sache zusammenhängenden Kosten zu erstatten.

Leider ist es so, dass die Kosten, die auf Seiten des eigenen Anwalts entstehen dem Grunde nach nicht erstattungsfähig sind. Mithin werden derartige Fälle von den Gerichten unter das sogenannte „allgemeine Lebensrisiko“ subsumiert, mit der Folge, dass die Kosten, die zur außergerichtlichen Abwehr einer nicht existenten Forderung anfallen, nur in besonderen Ausnahmefällen ersetzt verlangt werden können. Dies beispielsweise dann, wenn es sich um eine „vorsätzliche sittenwidrige Schädigung“ handelt. Dies wäre beispielsweise dann der Fall, wenn ein Anwalt bewusst nicht existente Ansprüche geltend macht.

Ob dies vorliegend der Fall ist, lässt sich durch den hier beschriebenen Einzelfall nicht herausfinden.

Soweit es sich jedoch nicht um einen Einzelfall handelt, liegt das „vorsätzlich sittenwidrige“ Moment nicht weit.

Haben auch Sie ein Forderungsschreiben von Herrn Rechtsanwalt Thorsten Sommer (Köln Inkasso) bzw. der Binendo24 Gewinnspielservice GmbH (Herr Jens Richter) erhalten und können damit nichts anfangen? Dann setzten Sie sich mit uns in Verbindung. Wir klären das!


Florian Daniel

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